Kleine Hann. Mündener Chronik

Hann. Münden  – Die Handelsstadt

Münden wurde 1183 erstmalig in einer Urkunde Landgrafs Ludwig III. von Thüringen als Stadt erwähnt. Durch ihre günstige Lage an den drei Flüssen und die Verleihung des „Stapelrechts“ im Jahre 1247 gelangte die Stadt schnell zu Reichtum und Wohlstand. Viele Gebäude wie z.B. das prächtige Weserrenaissance-Rathaus, die St. Blasius Kirche und die reich verzierten Fachwerkhäuser spiegeln den Reichtum dieser Zeit wider.

  • Stapelrecht: Dieses Handelsprivileg besagt, dass alle durchreisenden Kaufleute verpflichtet waren, ihre Waren in Münden abzuladen und den Mündener Bürgern zum Kauf anzubieten, bevor sie auf den Flüssen weiterverschifft werden dürfen. Dieses Privileg galt bis 1823 und führte die Mündener Händler und Bürger zu großem Reichtum.

Hann. Münden – Stadt des Doktor Eisenbart

Eher zufällig kam Hann. Münden zu seiner legendären Werbefigur, als der Wanderarzt 1727 auf der Durchreise im damaligen Gasthaus „Zum Wilden Mann“ verstarb. An ihn erinnern heute das Glockenspiel im Rathausgiebel, die Statue an seinem Sterbehaus sowie weitere Statuen auf dem Doktorwerder und an den Ortseingängen, sein Grabstein an der Aegidienkirche, Kostümführungen, muskalische Auftrtte der Hofmusikantin und Sonderveranstaltungen.

Warum der Name Hann. Münden?

Hann. Münden steht kurz für Hannoversch Münden bzw. auch Hannöverisch Münden. Umgangssprachlich wird die Stadt auch nur Münden genannt – insbesondere bei den Einwohnern den sogennanten „Mündenern“. Offiziell ist die amtliche Bezeichnung der Stadt seit 1991 Hann. Münden.

Der Name Hannoversch Münden passte auf Grund seiner Länge beispielsweise nicht auf Bahnfahrkarten. Zudem konnte der Name zu akustischen Missverständnissen führen und verstanden als Hannover-Schmünden, Hannover-Münden, Hannover bei Münden, Minden oder Hannover bei München, wo übrigens auch nach Münden adressierte Post auftauchte.

Kleine Hann. Mündener Chronik

  • 802-17 Gimundi wird an die Reichsabteien Fulda und Corvey verschenkt
  • 960 – Otto I. begründet in Hilwartshausen ein Kanonissenstift als Reichsabtei
  • 970 – Ratten, heute Stadtteil Neumünden, wird genannt
  • 1183 – erste urkundliche Erwähnung der Stadt Münden
  • 1246 – ein Städtebündnis zwischen Münden und Northeim
  • 1247 – Stapelrecht
  • 1488-1585Residenz der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg-Calenberg-Göttingen
  • 1540 – Reformation durch Herzogin Elisabeth und Bischof Corvin
  • 1560 – Brand des gotischen Schlosses; anschließend Wiederaufbau im Stil der Weserrenaissance
  • 1603-1618 – Erweiterung des gotischen Rathauses und Errichtung der nördlichen Rennaissance-Schmuckfassade durch Crossmann
  • 1626 Tilly erobert im 30-jährigen Krieg Münden
  • 1697Quantz, später Flötenmeister Friedrichs der Große, wird in Scheden geboren
  • 1707Papins Schiff wird zerstört
  • 1727Doktor Eisenbart stirbt in Hann. Münden
  • 1753-1854 Fayence-Fabrik in Münden: Rokoko – Klassizismus – Biedermeier
  • 1773-1776 – Dichter der Hain pilgern zum „kleinen Entzücken“
  • 1775Grotefend, Entzifferer der Keilschrift, wird geboren
  • 1847 – Bildhauer und Dichter Gustav Eberlein wird geboren
  • 1856Bahnstrecke Hannover-Münden-Cassel wird eröffnet
  • 1868Forstakademie gegründet; eine Forstlehranstalt ging seit 1844 voraus
  • 1877Prof. Mitscherlich gründet eine Cellulosefabrik
  • 1901 – Münden wird Garnison
  • 1921erste Polizeischule, damals für Hessen-Cassel
  • 1939Hermann Göring verfügt, auf Wunsch, die Eingliederung der forstlichen Hochschule als Fakultät der Universität Göttingen
  • 1945Ernst Dörfler rettet die Stadt vor der Zerstörung und die alte Werrabrücke vor der Sprengung
  • 1978 – Beim Wettbewerb „Stadtgestalt und Denkmalschutz im Städtebau“ wird Münden bundesweit mit Gold ausgezeichnet
  • 1991 – der offizielle Name der Stadt lautet nun Hann. Münden
  • 2008Großbrand in der Innenstadt Hann. Münden – 7 Fachwerkhäuser sind betroffen

Quelle, auszugsweise: „Münden und Umgebung“ Erwin May

Fachwerkfront mit Blick in die Sydekumstraße Hann. Münden